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Landvolkshochschule St. Gunther, Niederalteich

von Josef Rehrl, Schulleiter

Die Trägerschaft für den Europäischen Pilgerweg ist uns zugewachsen. Wir fanden die Idee so großartig und einmalig, dass wir diese anspruchsvolle Aufgabe übernehmen wollten, zumal kein anderer Träger in Sicht war. Als Bildungsstätte in kirchlicher Trägerschaft für die Bevölkerung des Landes sehen wir uns als Zahnrad zwischen weltlichen und geistlichen Themenstellungen. Unsere Bildungsarbeit ist ausgerichtet auf die Schwerpunkte Landwirtschaft und Regionalentwicklung, Umwelt und Schöpfungsspiritualität, Familie und gesellschaftliche Entwicklungstendenzen. Menschen, die im öffentlichen, familiären und kirchlichen Leben Verantwortung übernehmen können und wollen, ist unser Ziel.

Wie passt unsere Trägerschaft für den "Europäischen Pilgerweg" mit unserer übrigen Arbeit zusammen.

Erwachsenenbildung in zeitgemäßer Form wird zunehmend als gemeinsames Lernen, als Projekt, verwirklicht. Die Parole vom "Lernen durch Tun" ist ja nicht so neu. Wenn nun der Pilgerweg durch über ein Dutzend Orte auf bayerischer Seite führen wird, entstehen örtliche Projektgruppen, Lerngruppen, die sich der Umsetzung annehmen. Im idealen Fall passiert Bewusstseinsbildung, weil sich die Menschen sowohl mit Gruppenbildung und Medienarbeit befassen müssen, wie auch mit der Kernfrage: Was trägt der Mensch in der heutigen Zeit in seinem persönlichen Rucksack? Es wird auch das regionale Bewusstsein angesprochen bei der Frage: Wie möchten wir uns im eigenen Ort den Pilgerinnen und Pilgern präsentieren?
Unser Haus versteht sich als ein Ort für eine zukunftsgerichtete Auseinandersetzung im Sinne der Agenda 21. Wir streben an, dass die Pilger im Laufe ihrer Wanderschaft auf "geeignete Weise" auch mit den großen Zukunftsfragen in Berührung kommen können. Themen dieser großen Herausforderungen sind z. B. die Sinnfindung für das Leben, die ethische Orientierung, Zukunfts- und Generationengerechtigkeit, Be- oder Entschleunigung, Lebenshoffnung, Konfliktlösung und Friedfertigkeit und die Gleichberechtigung der Geschlechter.
Unser Haus ist Träger des 1. Umweltpreises der Diözese. Wir sehen uns verpflichtet, alles zu tun, um die Menschen auf ihre Verantwortung für die Schöpfung aufmerksam zu machen. Der Pilgerweg ist eine hervorragende Möglichkeit, den modernen Menschen die Naturschätze buchstäblich vor Augen zu führen und die Achtung vor der Schöpfung zu steigern. Wir sind allein schon durch einen Förderanteil aus dem bayerischen Umweltbildungsfond für dieses Projekt dazu verpflichtet.
Der Kern unseres Engagements liegt noch eine Schicht tiefer: Das 21. Jahrhundert darf kein gottloses Jahrhundert werden. Vor uns liegt die große Aufgabe, Glauben und Leben zusammen zu bringen. Ein vermuteter Gott im Himmel, im Jenseits, kann die Menschen nicht mehr inspirieren. Der Pilgerweg provoziert die Frage nach dem Gestrigen.
Schließlich möchten wir auch "Diener der Freude" sein. Auch wer diese Fragen nach dem Wesentlichen beiseite lässt und "nur" aus reiner Freude am Gehen, an der Gesundheit, an guten Gesprächen und schönen Landschaften auf dem Weg ist, dem sei der "Weg das Ziel".
Dass der Pilgerweg den Tourismus in Ostbayern anregen, die Übernachtungszahlen steigern und Chancen für manchen Pilgerbauernhof bringen wird, liegt auf der Hand. Das soll auch so sein.

Fürchte Dich nicht vor dem Langsamgehen,
aber hüte Dich vor dem Stehenbleiben.